Kleine Führung durch den Innenraum der Dorfkirche

 

Im Eingangsbereich der Kirche befindet sich eine Holztafel, die "Fährmanntafel". Sie wurde auf Veranlassung von Pfarrer Haack (1920-55 in der Gemeinde tätig) angefertigt und stellt ein Verzeichnis der Namen und Amtszeiten aller uns bekannten Heiligenseer Pfarrer bis zum Jahre 2000 dar. Sie zeigt im Bilde einen Fährmann, der die Seelen verstorbener Heiligenseer über das Wasser setzt, dem himmlischen Jerusalem entgegen. Es handelt sich um die symbolische Darstellung des Priesteramtes unter gleichzeitiger Anspielung auf die uralte Heiligenseer Fähre.

Unsere alte Altarbibel aus dem Jahre 1768 wurde 1857 von einer Angehörigen der Familie Löper der Kirche gestiftet. Die Bibel - in Rindsleder mit schönen eingepressten Ornamenten gebunden - hat zwei Leder-Riegel mit verzierten Messing--Beschlägen, mit denen das Buch verschlossen werden kann.

Der typisch märkische Bauernbarockaltar mit der Holzkanzel stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Auf dem Boden der handgetriebenen gotischen Messing-Taufschale ist Maria mit dem Jesuskind im Strahlenkranz dargestellt, umgeben von einem Zierat aus gotischen Unzialbuchstaben (zollgroße Buchstaben). Der Rand der Schale ist mit springenden Hirschen verziert, welche von Hunden gejagt werden. Von Spandauer Bürgern gestiftet, lautet die Inschrift an der Unterseite der Schale: Martin Martzan * Anna Witten * haben dieses in der Kirche zu Heiligensee vorehret 1647 *.

Die Christusfigur, eine Arbeit des Berliner Bildhauers Luda, wurde uns im Jahre 1970 geschenkt.
Sie ist eine Nachbildung der berühmten Herz-Jesu-Figur aus Wasserburg am Inn.

Im Jahre 2007 wurde nach langer Vorbereitungszeit die Dorfkirche restauriert. Das war notwendig, weil bei der Restaurierung 1958 und den folgenden Erhaltungsmaßnahmen damals moderne und empfohlene Farben sowie Baumaterialien verwandt wurden. Diese verhinderten nach heutigen Erkenntnissen die Atmung von Wänden und Decken. Die hölzernen Einbauten litten ebenfalls unter den klimatischen Verhältnissen im Kircheninneren.  

In einem Gutachten wurde festgestellt, dass unter den Farbschichten die noch deutlich fassbare und auch wertvollste Gesamtgestaltung aus dem Jahre 1936 vorhanden war. Von der großen Sanierung in diesem Jahr lagen auch die Rechnungen und Beschreibungen noch vor. Bei der Fassung handelte es sich um ein gesamtkünstlerisches Werk, welches die Wände, Decken, Empore, Gestühl, Kanzelaltar und Orgel zu einer Einheit zusammenfasste. Die im Jahre 1958 nicht übermalten Schriftfelder am Kanzelkorb stammen ebenfalls aus dem Jahr 1936. Mit den Malerarbeiten am Kanzelaltar wurde damals der Kirchenmaler Robert Sandfort beauftragt. Von ihm stammen auch die Ölgemälde an der Orgelempore, welche die Bitten des Vaterunsers darstellen.
In Absprache mit dem Landesdenkmalamt und dem Kirchlichen Bauamt wurde im November 2006 die Wiederherstellung der Gestaltungsfassung aus den 30er Jahren beschlossen.

Für die Variante von 1936 sprach nicht nur die geschlossene Wiederherstellung der gesamten Raumfassung, sondern auch, dass eine solche im Raum unserer Landeskirche, der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, äußerst selten zu finden ist. Die Gestaltungen dieser Zeit sind entweder bewusst zerstört worden, gingen im Krieg verloren oder gehören heute zu Polen. Auch waren damals manche bereits ideologisch geprägt und verbieten von daher eine Rekonstruktion.

Die Orgelempore stammt wie der Altar aus alter Zeit, was an den noch mit Beil behauenen mächtigen Holzteilen zu erkennen ist.

Im Rahmen der umfangreichen Restaurierungsarbeiten musste 2007 auch die Decke über dem Kirchenschiff erneuert werden. Durch die Deckenarbeiten konnte die Kleuker-Orgel nicht an ihrem Platz auf der Empore verbleiben. Das Instrument aus dem Jahre 1965 war nicht in traditioneller Weise, sondern mit "modernen" Materialien wie Kunststoff und Gummi sowie elektrischen Teilen in Eigenentwicklung errichtet worden. Diese waren stark gealtert.
Die Kirchengemeinde folgte der Empfehlung des Orgelsachverständigen und des Kirchlichen Bauamtes und gab die Orgel auf.
 
Die  Orgel der Firma Karl Schuke (Berlin) wurde ab dem 14. Februar 2011 als Opus 559 auf der Empore der Dorfkirche errichtet. Nach dem technischen Aufbau und der farblichen Fassung des Gehäuses durch den Restaurierungsbetrieb für Architekturfassungen Hans Karo erfolgte ab Mitte April die Intonation.
Am 15. Mai 2011 fand die festliche Einweihung des Instrumentes der Berliner Orgelbau Werkstatt statt.
Nähere Informationen zur Schuke-Orgel finden Sie unter der Rubrik "Kirchenmusik".
 
Der "Segnende Christus",  welcher im Eingangsbereich auf einem Postament aus Elbsandstein steht, ist Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Das Original dieser künstlerischen, verkleinerten Kopie aus Marmor stammt von Berthel Thorwaldsen (1770-1844) und befindet sich im Kopenhagener Dom. Es ist die beliebteste Christusdarstellung des 19. Jahrhunderts.  
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