Ein Gruß von unserem Pfarrer

Veröffentlicht am So., 25. Nov. 2018 12:45 Uhr
Aktuelles aus der Gemeinde

Liebe Gemeindeglieder,

‘Herr Pfarrer, wie geht es Ihnen? Wann kommen Sie zurück in die Gemeinde und arbeiten wieder?’ Diese Fragen treiben viele von Ihnen um, wie ich aus persönlichen Gesprächen bei verschiedenen zufälligen Treffen weiß.

Nach einem Jahr schreibe ich wieder ein paar Zeilen für den Gemeindebrief. Ein Jahr, dessen Entwicklung einige miterlebt haben. Ein Jahr, in dem sich manche gefragt haben, warum denn der Pfarrer nicht auftaucht und seinen Dienst wieder antritt. Ein Jahr, das fast genau deckungsgleich ist mit dem Kirchenjahr, das am 1. Advent 2017 begann und mit der Woche nach dem Ewigkeitssonntag 2018 zu Ende geht. Ein Jahr, das für mich ganz unter dem Vorzeichen einer ‘schweren Krankheit’ stand, wie die Formulierung dann immer lautet.

Zu Beginn der Adventszeit 2017 ist in meinem Hals ein Krebstumor entdeckt worden. Diese Diagnose kam für mich, meine Familie und die Gemeinde natürlich völlig überraschend. Advents- und Weihnachtszeit sowie all die Monate danach nahmen eine ganz andere Richtung als geplant. Da konnte ich erleben, was es heißt, einen Kalender voller Termine zu haben, die von einem Moment auf den anderen hinfällig wurden. Für mich wurden sie alle bedeutungslos, da auf einmal Untersuchungen, operative Eingriffe, Bestrahlungs- und Chemotherapietermine mein Leben und seinen Rhythmus bestimmen.

Wie vorläufig doch all unser menschliches Planen ist! Wie schnell es durchkreuzt werden kann! Dieses Jahr hat bei mir die Maßstäbe dafür zurecht gerückt, was wirklich wichtig ist im Leben. Für die Gemeinde kam der Ausfall ihres Pfarrers in der Adventszeit zur denkbar ungünstigen Zeit. Obwohl, wenn nur ein Pfarrer in einer Gemeinde tätig ist, kommt sein Ausfall immer zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Jedenfalls wurde durch die Nachricht die Betriebsamkeit der Adventszeit noch erhöht, vornehmlich in der Küsterei und im GKR.

Durch die Unterstützung der Nachbargemeinden, Absprachen mit der Superintendentur und dem Engagement der Pfarrer im Ruhestand Heinlein, Luther und Waßerfall wurden Lösungen gefunden. Es mussten z.B. keine Gottesdienste über Weihnachten und zum Jahreswechsel ausfallen. Auch der Konfirmandenunterricht konnte weiterlaufen. Ins- gesamt gab es nur sehr wenige Ausfälle von Veranstaltungen. Das ist keineswegs selbstverständlich! Vergleichbare Situationen in anderen Gemeinden führen zumeist zu viel heftigeren Einschränkungen. Dank für ihren Einsatz gebührt vielen, wirklich sehr vielen Menschen. Stellvertretend genannt seien hier die Pfarrerinnen und der (ehemalige)  Pfarrer der Nachbargemeinden Frau Kraft, Frau Wentzek und Herr Lübke, auch Frau Superintendentin Hornschuh-Böhm und Pfarrer Dr. Metzner.

Selbstverständlich gehört hierhin ebenso der Dank an den GKR, der auch ohne die Stimme des Pfarrers Entscheidungen treffen konnte, insbesondere an den Vorsitzenden, Herrn Gohn. Frau Bergkoben ist zu danken für ihre Bereitschaft, den Konfirmandenunterricht zu übernehmen. Das tolle Teamer-Team muss hier unbedingt erwähnt werden, dank dessen der begonnene Kurs zu Ende geführt sowie der neue starten konnte. Schließlich sind da noch Frau Stein und Frau Rohde aus der Küsterei, die durch eine vortreffliche Organisationsarbeit vieles aufgefangen haben. In diesem Jahr sind Ressourcen entdeckt worden, Gaben und Fähigkeiten, die bisher nicht zum Zuge kamen. Das ist ein Gewinn. Auf der anderen Seite wurden aber auch Grenzen des Leistbaren sichtbar.

Es ist deutlich geworden, dass eine Fixierung nur auf eine Person der Gemeinde nicht dienlich ist. Zeichen einer lebendigen Gemeinde ist das Zusammenspiel der verschiedenen in ihr Tätigen, haupt- und ehrenamtlich in den so unterschiedlichen Bereichen. Auf den ersten Blick erscheint es bequemer, für alles nur einen Ansprechpartner und Entscheider zu haben. Das nimmt aber die Vielfalt einer Gemeinde nicht wirklich ernst. Diese Vielfalt liegt etwa auch darin, abwechselnde Stimmen und Auslegungsmethoden in der Predigt zu hören, so wie ja ganz selbstverständlich auch in den Konzerten immer wieder Neues und Bekanntes abwechselnd zu hören ist.

Ich persönlich kehre mit großer Freude wieder in den Dienst zurück. Dabei wünsche ich mir, die in meiner Krankheitszeit entdeckte und praktizierte Aufteilung von Aufgaben unter den vielen, vielen Mitarbeitenden in der Gemeinde bliebe bewahrt. Auf ärztliches Anraten hin werde ich im neuen Jahr wieder ‘richtig’ anfangen. Wo in diesem Jahr im Gottesdienstplan mein Name steht, da steht er unter Vorbehalt. Ich darf ausprobieren, was meine Stimme zu leisten vermag, ob sie für einen gesamten Gottesdienst oder Teile davon tragfähig ist.

Ich freue mich darauf, Sie wiederzusehen und auch wieder mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, und wünsche Ihnen eine besinnliche Advents- und eine frohe Weihnachtszeit!

Ihr Pfarrer Michael Glatter

 

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