Die Konfi-Fahrt nach Wittenberg

Veröffentlicht am Sa., 29. Sep. 2018 16:30 Uhr
Bericht Konfirmandenfahrt

Von Glaubensdiskussionen, Reformatoren und der Entdeckung der Gnade

Ein ganzes Wochenende stand für die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Kirchengemeinde im Zeichen der Reformation. Mitte September ging es, gleich zu Beginn der Konfirmandenzeit, nach Wittenberg. Eine erste Gelegenheit, um sich besser kennenzulernen und zu erkunden, was das eigentlich ist, der evangelische Glauben. Was macht sie eigentlich für uns heute noch so spannend, dass wir sie jedes Jahr feiern, die Reformation?

Am Freitag, den 14. September trafen 22 Konfis, die jugendlichen Teamer, Kirchenmusikerin Maraike Mahnke, die erfahrenen Alt-Teamer Lena und Robert und die noch unerfahrene Leiterin Julia Berkoben sich um kurz vor 16 Uhr in Heiligensee zur Abfahrt. Viele hatten bei der frühen Abfahrtszeit gerade einmal Zeit gehabt, sich den gepackten Koffer nach der Schule zu schnappen und nutzten die zweistündige Fahrt im Reisebus, um vor dem vollgepackten Wochenende noch ein wenig zu entspannen. In der wirklich schönen Jugendherberge im Schlosskomplex von Wittenberg sind wir jedes Jahr zu Gast. Die Zimmerverteilung war im Bus schnell klar und wir starteten erst einmal mit einem ausgiebigen Abendbrot. Für den Abend geplant waren ein paar Spiele und eine Andacht über Psalm 46, den Psalm, der durch Luther zur Hymne der Reformation „Ein feste Burg ist unser Gott“ wurde. Erste Blicke auf den dicken Turm der Schlosskirche mit dem entsprechenden Banner stimmten darauf ein und machten schon neugierig auf diese Stadt voller geschichtsträchtiger Gebäude und Orte.

Bewegte Bibelarbeit im Schlosshof

Aber vorher erst einmal spielerisch auf das Thema vorbereitet. Beim Lutherquiz schlugen sich die Teams wacker und manche schwere Frage für 1000 Punkte konnte geknackt werden. Und dann war da noch ein Spiel, das uns die ganze Fahrt begleiten sollte: „Nacht in Wittenberg“. Per Los wurden die Konfis zu Bürgern der Stadt, die während des gesamten Wochenendes aufpassen mussten, um nicht von den verdeckt agierenden Päpstlichen Gesandten als Ketzer angezeigt und für vogelfrei erklärt zu werden. Die Tribunale, wo fieberhaft nach den Feinden der Reformation gesucht wurde, sollten verteilt über das ganze Wochenende stattfinden. Trotz erster „Verluste“ in diesem Spiel, blieb die anschließende Nacht friedlich und die Teamer, die die Nachtwache übernahmen, waren sehr zufrieden mit der Einhaltung der Nachtruhe und konnten ebenfalls bald schlafen gehen. Trotz ruhiger Nacht waren die Gesichter zum Frühstück ein wenig übermüdet. Das legte sich aber schnell mit der ersten Aufgabe des Tages. Die Stadtralley stand an und die Konfis brachen auf, um selbstständig in Kleingruppen und bei fantastischem Wetter Wittenberg zu erkunden und all die prägnanten Orte aufzusuchen, die sich hier in einer einzigen Fußgängerzone finden lassen. Genug Zeit für einen Abstecher zum Shoppen oder Eis essen blieb auch, bevor es ans Mittag ging. Aber auch danach trieb es viele der Jugendlichen wieder in die Stadt zum Schauen und Schlendern.

Am Nachmittag gab es noch mehr historisches Wissen, in Form von einer Führung durch das Lutherund das Melanchthonhaus, wo die Schlaglichter der reformatorischen Bewegung, aber auch das Leben im 16. Jahrhundert in Form von Ausstellungsstücken erklärt wurden. Eine Ausgabe von Luthers erstem übersetzten Neuem Testament, Melanchthons Studierstube, eine Ausgabe der Confessio Augustana, ein Ablassbrief und die eisenbeschlagene Truhe, in die Geld für diesen Handel mit den Sündern floss, aber auch Wandzeichnungen der Studenten mit ihrem Wappen und Bilder der Zeit aus den Cranachwerkstätten konnten wir betrachten.

Besuch im Melanchthonhaus - an diesem Tisch saßen Generationen seiner Studenten

Den Besuch beschloss ein museumspädagogisches Kreativangebot. Die Jugendlichen konnten sich selbst beim Federschreiben ausprobieren und vielleicht erahnen, wie mühsam die Vervielfältigung von Büchern und Schriften vor Erfindung des Buchdrucks war. Aus Ton wurden außerdem kleine Lutherrosen angefertigt. Müde von so viel Historie stand dann erst einmal eine längere Pause auf dem Plan.

Schreiben wie der Reformator: mit Federkiel und Schlehensaft

Abends dann noch einmal die Frage: Und was bedeutet das für uns? Was ist die entscheidende Entdeckung, die Luther gemacht hat, die für uns heute noch von Belang sein kann? Ablasshandel gibt es nicht, der Glaube an Himmel und Hölle ist auch eher veraltet. Was betrifft uns also die Reformation?

Dass das alles nicht von ungefähr kommt und auch heute noch eine Entdeckung Luthers für unsere Beziehung zu Gott ausschlaggebend ist, wurde in einer späten Unterrichtseinheit diskutiert. Und obwohl der Tag anstrengend und die Nacht davor so kurz war, war es beeindruckend, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden es schafften, nicht nur bei der Sache zu bleiben, sondern den Knackpunkt schnell fanden. Immerhin steht hinter Luthers Entdeckung eine ganze Theologie, versteckt in einem Wort: Gnade.

Durch Kleingruppenarbeit und das Zusammentragen der Ergebnisse kamen wir schließlich zum Kern seiner Entdeckung und konnten, wie Luther selbst, die Dimension der Gnade entdecken: Gott erklärt uns aus Gnade für gerecht. Es ist sein Geschenk an uns durch Jesus Christus, der uns von unserer Schuld befreit hat. (Römer 3, 24)

Mit einer Runde „Werwolf“ und gemeinsamem Singen klang der Abend aus und tatsächlich war die Nachtruhe sogar noch schneller hergestellt und die Konfis noch schneller in den Betten, als am Abend davor. Als Team hatten wir diesmal wirklich ein leichtes Spiel. Kernstück des Sonntags war natürlich der Gottesdienstbesuch in der Schlosskirche.

Die Gottesdienste dort werden von Vikarinnen und Vikaren des Predigerseminars ausgestaltet. Die Predigt erzählte von einer Prüfungssituation während des Theologiestudiums, vom Beten und der Hilfe Gottes. Sicherlich kannten die Konfis ganz ähnliche drückende Phasen aus ihrem eigenen Schulalltag. Während des Abendmahls hatten sie außerdem die Möglichkeit, sich segnen zu lassen, was die ganze Gruppe gerne annahm.

Als wir Wittenberg am frühen Nachmittag, nach einer letzten gemeinsamen Segensrunde und einmal Eisessen für alle, schließlich verließen, war aus der schüchternen, noch abtastenden Runde von Konfis eine große, fröhliche Gruppe geworden, die sich gegenseitig unterstützt, Rücksicht aufeinander nimmt und gemeinsam die Konfirmandenzeit sicherlich bestens bestreiten wird.

Ich möchte mich bedanken bei den Teamern, die den Konfis mit ihrer eigenen Zuverlässigkeit, Motivation, Offenheit und ihrem Gemeinschaftssinn ein Vorbild sind, wie es eine erwachsene Begleitung nie sein könnte.

Danke an Robert und Lena, für all den Erfahrungsschatz und eure Bereitschaft, euch auf Änderungen und Neuerungen einzulassen und Bewährtes weiterzutragen und die Fahrt damit zu verankern. Danke, Maraike, für die musikalische Begleitung, aber auch für die pädagogischen und die theologischen Inputs, die nicht selbstverständlich für den kirchenmusikalischen Aufgabenbereich sind. Um es wie die Teamer zu sagen, für mich gab es keine Lowlights, sondern die Fahrt war ein einziges Highlight und ich freue mich sehr auf die kommende gemeinsame Zeit mit allen Konfirmandinnen und Konfirmanden und mit euch allen!

 

Julia Berkoben

 

 

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